Ein kleines Land zwischen den Großmächten
Ålands Geschichte ist eng mit dem Machtkampf um die Ostsee verknüpft. Die Lage der Inseln mitten auf dem Seeweg zwischen Stockholm und dem Finnischen Meerbusen hat ihnen eine weit größere Rolle in der Geschichte des Nordens verschafft, als ihre Größe vermuten lässt. Zwei Orte in der Gemeinde Sund erzählen diese Geschichte besser als alle anderen: die mittelalterliche Burg Kastelholm und die Ruinen der russischen Festung Bomarsund. Sie liegen nicht weit voneinander entfernt und lassen sich wunderbar an einem Tag verbinden.
Burg Kastelholm – Stützpunkt der schwedischen Krone
Die Burg Kastelholm wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet und 1388 erstmals schriftlich erwähnt. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war sie eine der wichtigsten Burgen der schwedischen Krone im Ostseeraum und Sitz der Verwaltung Ålands. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Burg mehrfach umgebaut und beschädigt, doch was erhalten ist, vermittelt ein klares Bild davon, wie in den Schären Macht ausgeübt wurde.
Heute ist die Burg restauriert und in der Sommersaison für Besucher geöffnet. Direkt daneben liegt das Freilichtmuseum Jan Karlsgården, das zeigt, wie åländische Bauern früher lebten – eine gute Kombination, wenn du mit Kindern reist. Mehr dazu in unserem Guide zum Åland-Seefahrtsmuseum und Jan Karlsgården.
Bomarsund – eine nie vollendete russische Festung
Nachdem Finnland und Åland Teil des Russischen Kaiserreichs geworden waren, begann Russland 1832 mit dem Bau einer gewaltigen Festungsanlage bei Bomarsund. Geplant war ein militärischer Vorposten am westlichsten Rand des Reiches, mit Festungstürmen und Kasernen für Tausende Soldaten. Fertig wurde sie nie.
Im Krimkrieg griff im Sommer 1854 eine britisch-französische Flotte Bomarsund an. Die Festung kapitulierte am 16. August 1854 und wurde am 2. September desselben Jahres von den Alliierten gesprengt. Nach dem Krieg wurde festgelegt, dass Åland nicht wieder befestigt werden darf – der Beginn der Entmilitarisierung, die die Inseln bis heute prägt. Mehr über Ålands Autonomie und Entmilitarisierung.
Heute liegen die Ruinen verstreut am Ufer und im Wald, Infotafeln erklären die Ereignisse. Das Gelände ist frei zugänglich und einer der stimmungsvollsten Orte auf Åland.
So planst du deinen Besuch
- Beginne in Kastelholm am Vormittag und iss in der Nähe zu Mittag, bevor du nach Bomarsund weiterfährst.
- Plane einen halben bis ganzen Tag für beide Orte ein, je nachdem, wie viel du lesen und wandern möchtest.
- Gutes Schuhwerk ist in Bomarsund wichtig, wo die Pfade zwischen den Ruinen uneben sein können.
- Nimm eine Kirche dazu – in Sund steht eine der mittelalterlichen Kirchen Ålands. Siehe unseren Guide zu mittelalterlichen Kirchen auf Åland.
Noch mehr Geschichte auf Åland
Kastelholm und Bomarsund sind erst der Anfang. In Saltvik gibt es Spuren wikingerzeitlicher Siedlungen und Gräberfelder – mehr dazu in unserem Artikel über Saltvik und Ålands Wikingerland. In Eckerö steht das prächtige Post- und Zollhaus, eine Erinnerung an die Zeit, als die Postroute zwischen Stockholm und Turku über das Ålandsmeer führte. Und in Mariehamn erzählt das Seefahrtsmuseum von der Ära der Segelschiffe, die den Wohlstand der Stadt begründete. Zusammen zeigen diese Orte, wie Åland vom königlichen Außenposten und Schlachtfeld zu einer entmilitarisierten, selbstverwalteten Inselgemeinschaft wurde.
Häufige Fragen
Q: Wie alt ist die Burg Kastelholm?A: Die Burg wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts gebaut und 1388 erstmals erwähnt. Sie gehört zu den ältesten erhaltenen Bauwerken Ålands.
Q: Kostet der Besuch in Bomarsund etwas?A: Das Ruinengelände in Bomarsund ist das ganze Jahr über frei zugänglich. Für Burg Kastelholm gelten saisonale Öffnungszeiten und Eintritt – prüfe die aktuellen Angaben vor deinem Besuch.